Magdalena Fingerle: Muttersprache
Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 21.02.2022
Bozen und Berlin – zwischen diesen beiden Städten pendelt der Debüt-Roman von Maddalena Fingerle, in dem es um die kulturelle und sprachliche Zerrissenheit eines jungen Mannes geht. „Muttersprache“ ist ein Anti-Heimat-Roman und eine gewaltige Sprach-Studie.
„Wenn du die Wörter auseinander nimmst und die Buchstaben anschaust, dann sagen sie dir die Wahrheit.“
Paolo Prescher ist ein Sprach-Fanatiker. Er ist besessen vom Zeichensystem der Schrift.
„Die sauberen Wörter sind so: Du sagst etwas und du meinst das auch so, die Wörter sind wahr und sie sind klar, es gibt keine Assoziationen im Kopf, die sie kaputt machen, die sie fleckig machen, die sie dreckig machen.“
Sauber und schmutzig, ehrlich und gelogen – das sind die Kategorien, in denen der Heranwachsende die Welt wahrnimmt. Sie ist für ihn schwarz-weiß. Selbst in dem Wort „Mutter“ steckt für ihn dieser Gegensatz.
„Die Buchstaben, wenn du sie dir nur genau genug anschaust, sind ehrlich, und sie verraten dir die Geheimnisse. Mutter, madre, zum Beispiel. Em, a, de, er, e: MADRE. Em, e, er, de, a: MERDA. Scheiße. Merda, madre, merda, madre, merda, madre. Scheiße, Mutter.“
„Muttersprache“ verbindet die Struktur eines klassischen Entwicklungsromans mit vielschichtigen Reflexionen über die Bedeutung von Mehrsprachigkeit; kulturelle Vielfalt einerseits und (identitäts-)politische Instrumentalisierung von Heimat und Sprache andererseits....... Ein feinsiniger Anti-Heimat-Roman einer vielversprechenden jungen Schriftstellerin.
https://www.deutschlandfunk.de/anti-heimat-roman-100.html