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ISBN/EAN: 978-3-8031-3345-8
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
La fille qu'on appelle
Übersetzer:
Hinrich Schmidt-Henkel
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
160 S.
Format (T/L/B):
2 x 22.2 x 14.5 cm

Hersteller:
Verlag Klaus Wagenbach GmbH
Jörg Englbrecht
mail@wagenbach.de
Emser Str. 40/41
DE 10719 Berlin


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Unser Tipp für Sie

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 29.03.2022

Wo beginnt der sexuelle Missbrauch? Diese seit Beginn der Me-too-Debatte allgegenwärtige Frage erkundet der französische Schriftsteller Tanguy Viel in seinem achten Roman „Das Mädchen, das man ruft“. Er spielt im Schattenreich der politisch Mächtigen.

Normalerweise gibt es in den Romanen von Tanguy Viel – etwa in „Unverdächtig“ oder in „Das absolut perfekte Verbrechen“ – viel zu lachen. Denn er ist ein Meister des parodistischen Spiels mit den klassischen Motiven, Plots und Mythen des Krimi-Genres. In seinem achten Roman „Das Mädchen, das man ruft“ ist das anders. In ihm dominiert die Beklemmung. Das liegt an seinem Stoff: die seit Beginn der Me-too-Debatte allgegenwärtige Frage, wo der sexuelle Missbrauch beginnt. 

Beim Besuch von Laura im Rathaus ist das Prinzip aber sofort klar: Tue ich dir einen Gefallen, tust du mir einen. Die Gesten des Bürgermeisters lassen keine Zweifel zu. Druck muss er kaum ausüben, um Laura als Gegenleistung für die Stelle im Casino seines alten Weggefährten dort regelmäßig zum schnellen Sex treffen zu können. Doch als der Bürgermeister zum Minister in Paris aufsteigt, erstattet sie Anzeige.

So hart die Thematik ist: Von Beginn an lässt Tanguy Viel – wie gewohnt – an seinen hohen stilistischen Selbstansprüchen keinen Zweifel. Vor allem bei der Übersetzung seiner genau austarierten Schachtelsätze kann Hinrich Schmidt-Henkel seine Klasse demonstrieren. Bestechend ist der Roman „Das Mädchen, das man ruft“ nicht nur durch den gut geschnittenen, spannenden Plot und starke Metaphern, sondern auch durch die Dynamik des Diffusen.

https://www.deutschlandfunk.de/das-maedchen-das-man-ruft-100.html

Beschreibung

Laura, bildschön und Anfang zwanzig, ist wieder in die Bretagne zurückgekehrt. Nun braucht sie erstens eine Wohnung und zweitens einen Job. Dass der Bürgermeister persönlich bei seinem alten Freund im Casino ein gutes Wort für sie einlegt, bleibt nicht folgenlos. Ihr Vater Max, einst französischer Boxmeister, steigt nach Jahren wieder in den Ring. Es sind noch einige alte Rechnungen offen in der kleinen bretonischen Stadt am Meer, in der diese Tragödie um Sex und Macht, Schicksal und Gerechtigkeit die Figuren unausweichlich zu Dominosteinen macht. Als Laura Monate später den nun ehemaligen Bürgermeister schließlich anzeigt, ist das Urteil längst gesprochen. Denn: Sie wollte es doch auch Tanguy Viel macht ein brutales, aktuelles Thema konkret, indem er es in die Provinz verschiebt. Er vergrößert, indem er verkleinert. Sein einzigartiger Stil erzwingt eine beunruhigende Untergrundspannung, fokussiert genau, lässt Bewegungen und Blicke sprechen. Ein Roman über Ohnmacht und Macht, ein stilistisches Kunstwerk, ein politisches Statement.

Über Tanguy Viel

Tanguy Viel, geboren 1973 in der Bretagne, ist noch immer am liebsten dort. Beziehungsweise bei gutem Wind auf einem Segelboot vor deren Küste. Er lebt, liebt, liest und schreibt meist in Tours und Beaugency, nur selten in Paris. Er wurde mit dem Prix Fénéon und dem Prix de la Vocation ausgezeichnet und war mit seinem Roman 'Das Mädchen, das man ruft' für den Prix Goncourt nominiert. Mit Hinrich Schmidt-Henkel haben seine hochgelobten, stilistisch ausgefeilten Romane ihren idealen Übersetzer gefunden.