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ISBN/EAN: 978-3-630-87572-9
Einband: gebundenes Buch
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Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
192 S.
Format (T/L/B):
2 x 22 x 14.5 cm

Hersteller:
Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
produktsicherheit@penguinrandomhouse.de
Neumarkter Straße 28
DE 81673 München


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Unser Tipp für Sie

hr-iNFO Büchercheck vom 27.09.2018. Juli Zeh gehört zu den erfolgreichsten und produktivsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Jetzt ist ihr neuer Roman „Neujahr“ erschienen.
hr-iNFO Bücherchecker Alf Mentzer hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Neujahrsmorgen 2018: Henning, ein mittelmäßig erfolgreicher Verlagsmitarbeiter strampelt auf seinem viel zu schweren Fahrrad den steilen Anstieg auf der Vulkaninsel Lanzarote hinauf. Es ist ein verbissener Kampf mit der Topografie und der Schwerkraft, aber auch mit den Erinnerungen an den verkorksten Silvesterabend und dem Gefühl der permanenten Überforderung als Vater und Ehepartner. Und dann sind da noch die Dämonen der Vergangenheit, die ihn diesen Steilhang hinaufzuziehen scheinen – denn als er völlig entkräftet ein Gehöft auf einem Plateau erreicht, holt ihn plötzlich die Erinnerung ein – die Erinnerung, schon einmal hier gewesen zu sein, mit seinen Eltern und seiner Schwester; die Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis, das ihm hier zugestoßen ist und das Gefühl, dass in diesem Haus der Schlüssel für seine wiederkehrenden Panikattacken zu finden sein könnte.

Wie ist es geschrieben?
Juli Zeh ist keine Freundin des literarischen Schnickschnacks – sie schreibt direkt, sie schreibt auf Wirkung, und mit einer Sprache, die ohne Umwege dorthin geht, wo es wehtut: Wenn sie uns mit Henning den Berg auf Lanzarote hinauftreibt, dann spüren wir unmittelbar das Pulsieren der Muskeln und das Ziehen hinter den Schläfen, aber auch die Wut auf den Berg, in die sich Hennings Wut über die Familie, die Frau, die Kinder und über sich selbst mischt. Da stimmt jeder Satz, da ist kein Wort zu viel, da wird mit gnadenloser Präzision das Psychogramm eines Getriebenen gezeichnet – um dann, wenn Henning sich an das Trauma seiner Kindheit erinnert, den Ton radikal zu wechseln und sich in die bedrohliche Vorstellungswelt eines von seinen Eltern verlassenen Jungen zu versetzen. Das klingt dann so: „Henning denkt, dass Mama und Papa weg sind, weil er auf die Ritzen zwischen den Fliesen getreten ist. Auf der Terrasse hat er manchmal „nicht auf die Ritzen treten“ gespielt und dabei zu sich selbst gesagt: „Wenn ich es nicht schaffe, auf die andere Seite zu kommen, ohne auf eine Ritze zu treten, wird etwas Schreckliches passieren.“ Das war nur Spaß. Ein Spiel. Dachte er. … Er würde gerne weinen, aber seine Tränen haben auch Angst und bleiben lieber in den Augen.“
Das ist ebenso anrührend wie unheimlich und lässt uns als Leser genauso mitleiden wie im Fall des atem- und kraftraubenden Berganstiegs.

Wie gefällt es?
„Neujahr“ ist ein packendes Leseerlebnis – ein Roman, der bei aller scheinbaren Gradlinigkeit dunkle Abgründe enthüllt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Was als Urlaubsdrama einer stressgeplagten und überforderten Mittelstandsfamilie beginnt, bekommt plötzlich einen Dreh ins Unheimliche – und das ist ebenso überraschend wie überzeugend. Und apropos Überraschung: „Neujahr“ ist wahrscheinlich der erste Roman, in dem Martin Schulz und Würselen Erwähnung finden. Aber das ist wahrlich nicht der einzige und beileibe nicht der wichtigste Grund, warum dieser Roman zu empfehlen ist.

Beschreibung

Ein Familienurlaub auf Lanzarote, der zum Albtraum wird. Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater - in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

Über Juli Zeh

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Promotion im Europa- und Völkerrecht. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman 'Adler und Engel' (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Heinrich-Böll-Preis (2019). Im Jahr 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und wurde zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt. Ihr Roman 'Über Menschen' war das meistverkaufte belletristische Hardcover des Jahres 2021.

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