Details

ISBN/EAN: 978-3-498-03567-9
Einband: gebundenes Buch
Weitere Details
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
480 S.
Format (T/L/B):
4 x 21 x 13.5 cm

Hersteller:
Rowohlt Verlag GmbH
Rowohlt Verlag GmbH
produktsicherheit@rowohlt.de
Kirchenallee 19
DE 20099 Hamburg


Weitere Details arrow_forward_ios
38,00 €

Lieferbar innerhalb 24 Stunden

Unser Tipp für Sie

hr-iNFO Büchercheck vom 19.10.2017. Seit wenigen Tagen ist er im Buchhandel: der neue Roman von Daniel Kehlmann. Wie sein Welterfolg „Die Vermessung der Welt“ ist „Tyll“ ein historischer Roman. „Tyll“ spielt in der Zeit des Dreissigjährigen Krieges. Seine Hauptfigur heißt „Tyll Ulenspiegel“ – Ähnlichkeiten mit dem mittelalterlichen Narr Till Eulenspiegel sind nicht zufällig, wenn auch historisch nicht ganz korrekt. hr-iNFO-Büchercheckerin Hardwiga Fertsch-Röver hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Tyll ist der Sohn eines Müllers irgendwo in Süddeutschland zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Sein Vater Claus Ulenspiegel betreibt seine Mühle mehr schlecht als recht, die Dorfbewohner schätzen ihn aber auch als Wunderheiler und Kenner von Zaubersprüchen. „Am Kopfende des Tisches spricht der Müller über Sterne. Seine Frau und sein Sohn und seine Knechte und die Magd tun, als würden sie zuhören. Es gibt Grütze (...) Im Fenster hält eine dicke Scheibe den Wind ab, unter dem Herd, der zu wenig Wärme abstrahlt, balgen sich zwei Katzen, und in der Ecke der Stube liegt eine Ziege, die eigentlich drüben im Stall sein müsste, aber keiner mag sie hinauswerfen, denn alle sind müde, und ihre Hörner sind spitz. Neben der Tür und um das Fenster sind Pentagramme eingeritzt, der bösen Geister wegen.“
Die angebliche Zauberkunst des Vaters erregt den Verdacht der Hexenverfolger, die ihm den Prozess machen und auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Sein Sohn Tyll, der sich selbst das Jonglieren und Seiltanzen beigebracht hat, flieht mit der Bäckerstochter Nele aus dem Dorf. Als Gaukler schlagen sie sich durch das vom Krieg zerstörte Land, treffen auf wahre und erfundene Figuren. Schließlich wird Tyll Hofnarr bei Friedrich V., dem Kurfürsten der Pfalz, der mit seinem Anspruch auf den böhmischen Thron den Dreissigjährigen Krieg anzettelte, und fortan als Winterkönig verspottet durch die von Territorialkämpfen und Religionskriege verwüsteten Lande reist.

Wie ist es geschrieben?
Daniel Kehlmann zieht uns ganz nah hinein in die Atmosphäre der damaligen Zeit. Der Trick des Erzählers: Gaukler Tyll schwebt irgendwo dazwischen, ist überall und nirgendwo. Und macht dabei das, was ein Narr zu tun hat: er hält den Menschen einen Spiegel vor und lacht sich dabei ins Fäustchen. Kehlmann hat sich gehütet, die Sprache der Zeit nachzuahmen. In seinen Schilderungen schwingt der Sound mit von Grimmelshausens Simplicissismus und den Märchen der Brüder Grimm, dennoch bleibt die Sprache klar und distanziert.

Wie gefällt es?
Der Roman „Tyll“ hat mir das überraschende Leseerlebnis beschert, dass mir eine ziemlich schreckliche und grausame Epoche ganz nahe rückte, ich mich aber dennoch dabei bestens unterhalten habe. Es macht Spaß, dem spannungsreich komponierten Erzählreigen mit wechselnden Perspektiven und sich kreuzenden Handlungssträngen zu folgen. Wieder ist Daniel Kehlmann das Kunststück gelungen, einen historischen Stoff in ein großes Lesevergnügen zu verwandeln.

Beschreibung

"Tyll", der neue Roman des Erfolgsautors Daniel Kehlmann - er veröffentlichte u.a. "Die Vermessung der Welt", "Ruhm", "F" und "Du hättest gehen sollen" -, ist die Neuerfindung einer legendären Figur: ein großer Roman über die Macht der Kunst und die Verwüstungen des Krieges, über eine aus den Fugen geratene Welt. Tyll Ulenspiegel - Vagant, Schausteller und Provokateur - wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Müllerssohn in einem kleinen Dorf geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät schon bald mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf seinen Wegen durch das von den Religionskriegen verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origenes, dem exilierten Königspaar Elisabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat, dem Arzt Paul Fleming, der den absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben, und nicht zuletzt dem fanatischen Jesuiten Tesimond und dem Weltweisen Athanasius Kircher, dessen größtes Geheimnis darin besteht, dass er seine aufsehenerregenden Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler, der eines Tages beschlossen hat, niemals zu sterben.

Über Daniel Kehlmann

Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren, wurde für sein Werk unter anderem mit dem Candide-Preis, dem Per-Olov-Enquist-Preis, dem Kleist-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem ­Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Sein Roman Die Vermessung der Welt ist eines der erfolgreichsten deutschen Bücher des 21. Jahrhunderts, auch Tyll stand monatelang auf den Bestsellerlisten und gelangte auf die Shortlist des International Booker Prize, ebenso wie der Roman Lichtspiel. Außerdem schrieb er das Drehbuch zur Fernsehserie Kafka. Daniel Kehlmann lebt in Berlin und New York.