Elke Engelhardt: 100 sehr kurze Gespräche
Buchempfehlung von SWR2 vom 21.1.2024
Es sind lyrisch-philosophische Prosaminiaturen, in denen Engelhardt Zwiesprache hält mit ihren Lektüren. Bislang kannte man sie vor allem als Literaturkritikerin. Jetzt etabliert sie sich langsam als Autorin. Sie schreibt nuanciert und trotz aller Intimität nie aufdringlich.
Schreiben ist auch Lesen. Obwohl ein Buch in der Regel von einem einzelnen Autor stammt, entsteht es nicht im luftleeren Raum. Es schreibt sich ein in eine Tradition oder lehnt sie ab. Elke Engelhardt weiß das. Sie hat für das Lyrikportal „Fixpoetry“ regelmäßig Bücher gelesen und klug eingeordnet.
Nun hat sie mit „100 sehr kurze Gespräche“ eine Sammlung mit exakt hundert Notaten aus hundert Tagen veröffentlicht, die einer reizvollen Schreibregel folgen. Sie lautet: Ein Satz aus einem fremden Text gibt die Initialzündung für einen eigenen, der auf ihn antwortet und dafür genau 100 Wörter verwenden darf. Das erinnert an die Schreibregeln des Autorenkreises Oulipo.
Der Band klingt mal wie ein Traumtagebuch, mal wie eine Selbstvergewisserung, vielleicht sogar eine Selbstenthüllung. Der Ton ist nuanciert, nie aufdringlich in seiner Intimität. Die Regelhaftigkeit – aus hundert Sätzen werden hundert Texte – bot der Autorin, die ernst macht mit sich und dem Nachdenken über die Welt, Halt und Spielraum gleichermaßen. Es macht Spaß, lesend in diese Symphonie einzustimmen.
https://www.swr.de/swr2/literatur/elke-engelhardt-100-sehr-kurze-gespraeche-swr2-lesenswert-kritik-2024-01-23-100.html