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Slata Roschal: 153 Formen des Nichtseins

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 23.11.2022

Ex negativo: Slata Roschal hat in ihrem für den Deutschen Buchpreis nominierten Debütroman „153 Formen des Nichtseins“ eine Figur zwischen den Ländern, Sprachen, Religionen und Geschlechtern entworfen, die über das fassbar wird, was sie nicht ist.

Unsere Identität wird nicht nur aus dem, was wir sind, gebildet, sondern auch aus dem, was wir nicht sind. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Sein und Nichtsein wird permanent evaluiert – oft, um Kundenprofile zu erstellen. Es gibt Streaminganbieter, die prozentgenau ausweisen, welcher Film unseren Vorlieben entspricht, oder eben nicht entspricht, basierend auf vorherigen Filmen und Serien, die wir gesehen oder eben nicht gesehen haben. Auf einem ähnlichen Prinzip basieren Dating-Apps, die Partnervorschläge anhand vorheriger Matches ermitteln. So werden mit jeder neuerlichen Wahl Anschlusskommunikationen wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher.

Weil dieses Prinzip über Ausschluss und Wahl so gegenwärtig ist, passt Slata Roschals Debütroman „153 Formen des Nichtseins“ in unsere Zeit. Hier wird eine Figur langsam sichtbar durch alles, was über sie ausgeschlossen werden kann. Sein übers Nichtsein sozusagen, wie eine klassisch entwickelte Fotografie, der ein Negativ zugrundelag.

Slata Roschals Roman irritiert eine Gegenwartsliteratur, die Identität, Zugehörigkeit und Befindlichkeiten auf herausgehobene Weise thematisiert. Er zeigt, was es bedeutet, den Anderen nicht als bloßen Spiegel des Ichs, sondern tatsächlich als Anderen wahrzunehmen – und ist damit eines der interessantesten Debüts des langsam zu Ende gehenden Literaturjahrs 2022.

https://www.deutschlandfunk.de/sein-oder-nichtsein-ist-laengst-nicht-meh...

Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783946120940
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