Sandra Kegel Hrsg: Prosaische Passionen. Die weibliche Moderne in 101 Short Storys

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 01..01.2023

Welche Folgen hat es, wenn man den klassischen Kanon auf den Kopf stellt und ausschließlich Frauen aufnimmt? Sandra Kegel hat eine ebenso fesselnde wie überraschende Anthologie herausgegeben, die viele Entdeckungen erlaubt.

Was passiert wohl, wenn eine Frau den Mund aufmacht und unverblümt sagt, wie ihr zumute ist? Viel zu wenig Raum scheint es zu geben für die Wörter und Sätze von Frauen, viel zu selten gelten Kurzgeschichten von Schriftstellerinnen als Teil dessen, was wir als den Kanon des frühen 20. Jahrhunderts betrachten. Dabei haben schreibende Frauen viel zu bieten, und das auf die unterschiedlichste Weise.

Nicht alle hier verzeichneten Autorinnen sind mit Kurzgeschichten vertreten, bei einigen sind Auszüge aus Romanen abgedruckt. Dazu zählen Gwendolyn Brooks, Neel Doff, Halide Edip Adivar, Han Suyin, Teresa de la Parra, Tove Ditlevsen, Marguerite Duras, Out El-Kouloub, Sofia Tolstaja, Marina Zwetajewa und Gabriela Zapolska. Dass sie berücksichtigt wurden, ist richtig, denn ihre markanten Stimmen sind im Chor der Schriftstellerinnen unverzichtbar, und das Quellenverzeichnis erlaubt die Rekonstruktion. Dennoch hätte darauf vielleicht etwas deutlicher hingewiesen werden können; schließlich gibt es hier einen Bruch mit der vorherrschenden Gattung. Aber dies ist angesichts der Kärrnerarbeit im Bergwerk der Literaturgeschichte nebensächlich. Die „Prosaischen Passionen“ entfachen tatsächlich Leidenschaften – und zwar für Schriftstellerinnen und ihre Art, die Welt in Sprache zu fassen und dem Leben auf die Schliche zu kommen. Ihre Stimmen, soviel beweist Sandra Kegel mit ihrer Anthologie, sind längst unverzichtbar.

https://www.deutschlandfunk.de/nur-frauen-die-literatur-der-moderne-neu-gedacht-100.html

 


Bibliographie
Tipp
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Prosaische Passionen
Sandra Kegel
Prosaische Passionen
Die weibliche Moderne in 101 Short Stories - Übersetzungen aus 25 Weltsprachen
EAN: 978-3-7175-2546-2
Das erste weibliche Weltpanorama der literarischen Moderne - Erzählungen und Prosastücke aus über 25 Sprachen Frauen schreiben anders! Katherine Anne Porter schreibt anders als Eileen Chang, Alfonsina Storni schreibt anders als Marina Zwetajewa, Edith Wharton schreibt anders als Else Lasker-Schüler, Clarice Lispector schreibt anders als Carson McCullers, Marguerite Duras schreibt anders als Tania Blixen, Djuna Barnes schreibt anders als Grazia Deledda, Selma Lagerlöf schreibt anders als Silvina Ocampo, Anaïs Nin schreibt anders als Tove Ditlevsen und Sofja Tolstaja schreibt anders als Virginia Woolf.Diese erste globale Prosasammlung weiblichen Schreibens um und nach 1900 zeigt: Die literarische Moderne war ganz wesentlich weiblich! Nicht nur in Europa, überall auf der Welt veränderte sich das künstlerische Selbstverständnis von Frauen von Grund auf. Sie eroberten sich kreative Freiräume, machten weibliches Denken und Fühlen literaturfähig, vor allem aber schufen sie große Erzählkunst und behaupteten sich so auf dem Feld der Hochliteratur, die bis dahin als exklusive Männerdomäne galt. Ab 1900 ist Weltliteratur nicht mehr bloß ein Gruppenbild mit Dame. Sandra Kegel, renommierte Literaturkennerin und -liebhaberin, hat für diesen einzigartigen Band moderne Kurzprosa aus aller Frauen Ländern zusammengetragen - Klassikerinnen, deren Rang unbestritten ist, neben solchen, die erst noch entdeckt werden wollen. Ein längst überfälliges Panorama weiblicher Erzählkunst!

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