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Robert Walser: Werke 8 Gedichte und 10 Geschichten

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 19.12.2021

Robert Walser bleibt rätselhaft: Seine Selbsteinweisung in eine psychiatrische Heilanstalt im Jahr 1929, sein Verstummen bis zu seinem Tod im Schnee 1956 und die handschriftlich eng beschriebenen Blätter mit den so genannten „Mikrogrammen“. Jetzt erscheinen Walsers Geschichten und Gedichte.

Der Umschlag des 1914 erschienenen Bandes „Geschichten“ zeigt einen Dichter am Schreibtisch sitzend, den Kopf in die offene Hand gestützt. Über seine Wange, so zumindest lässt sich vermuten, rinnt eine einzelne Träne. Die Zeichnung von Robert Walsers Bruder Karl, der viele der Bücher seines Bruders illustriert hat, demonstriert, dass sich hinter der vermeintlichen Leichtigkeit des Tonfalls, hinter Walsers ironischem, hin und wieder geradezu komödiantischem Gestus, Verzweiflung und Trauer verbargen. Walter Benjamin hatte bereits im Jahr 1929 die Ambivalenz und auch die Unheimlichkeit von Robert Walsers Texten durchdrungen. In einem Aufsatz analysierte Benjamin das Verhältnis von scheinbar leichter Plauderei und Psychopathologie, das er in Walsers Werk erkannt hatte:

„Denn das Schluchzen ist die Melodie von Walsers Geschwätzigkeit. Es verrät uns, woher seine Lieben kommen. Aus dem Wahnsinn nämlich und nirgendher sonst. Es sind Figuren, die den Wahnsinn hinter sich haben und darum von einer so zerreißenden, so ganz unmenschlichen, unbeirrbaren Oberflächlichkeit bleiben. Will man das Beglückende und Unheimliche, das an ihnen ist, mit einem Worte nennen, so darf man sagen: sie sind alle geheilt.“

Vier große Themenkomplexe lassen sich in dem „Geschichten“-Buch ausmachen: Die Rolle der Kunst und des Künstlers in einer als degeneriert wahrgenommenen Gesellschaft; das Theater, für das Walser eine große Leidenschaft hatte; die Beschreibung der Natur und nicht zuletzt Tiere, vor allem Katzen, die für Robert Walser stets eine große Rolle gespielt haben. In einem der ersten Texte des Bandes mit dem Titel „Das Genie“ führt Walser das Wechselspiel von Erhabenheit und Profanität vor.

Robert Walser ist ein kaum zu fassender Autor. Leser seiner Romane wissen das ohnehin. Das wird sich auch nach der Lektüre der beiden neuen Bände der Berner Ausgabe nicht ändern, doch kommt man hier einem der originellsten und rätselhaftesten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts auf engem Raum in vielen seiner Facetten nahe.

https://www.deutschlandfunk.de/katzencontent-aus-den-zwanzigern-100.html

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