Philipp Schönthaler: Die Automatisierung des Schreibens
Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 21.01.2022
Vom Federkiel zum Laptop: Philipp Schönthaler zeigt in „Die Automatisierung des Schreibens“, wie technische Neuerungen das Schreiben verändern – und warum Autorinnen und Autoren vor künstlicher Intelligenz keine Angst haben müssen.
1845, Annette von Droste-Hülshoff schimpft über kratzende Stahlfedern. Mit Gänsekiel und Tintenfass war es doch schon schwer genug. Der neumodischen Alternative kann die Dichterin nichts abgewinnen. 1882, Friedrich Nietzsche kauft sich eine Schreibmaschine. Damit gilt der Philosoph als Pionier. Aber als das Gerät kaputtgeht, kehrt er zurück zum Federhalter. Ein ganz bestimmter muss es sein, denn nur mit diesem Modell kann Nietzsche schreiben.
Wie hat sich das Schreiben verändert im Zeichen von technischem Fortschritt und wechselnden ökonomischen Anforderungen? Und wie hat sich diese Entwicklung auf das Selbstverständnis von Dichterinnen und Dichtern ausgewirkt? Diesen Fragen hat der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Philipp Schönthaler eine umfangreiche Studie gewidmet.
Schönthaler schreibt pointiert aber gleichzeitig hoch verdichtet und reich an Referenzen. Allein 100 der knapp 600 Seiten entfallen auf Anmerkungen und Quellenverzeichnis. Es ist ein Buch für Leute, die es genau wissen wollen, ein Buch, das auch seinen Leserinnen und Lesern ein bisschen Arbeit zumutet. Dem subjektiven Erzählen attestiert Schönthaler gute Überlebenschancen – schon deshalb, weil das Storytelling in der Welt der Wirtschaft hoch im Kurs steht.
https://www.deutschlandfunk.de/jenseits-der-genie-aesthetik-100.html