Niklas Luhmann: Die Grenzen der Verwaltung

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 9.12.2021

Auch Butterbrote werden gleich zu Beginn thematisiert – in Niklas Luhmanns nachgelassenem Theorieband „Die Grenzen der Verwaltung“. Herausgeber Johannes F. K. Schmidt erläutert im Dlf, was den Juristen Luhmann in den 1950er Jahren bei der Aufarbeitung von NS-Unrecht gefordert hat.

Ende der 1950er Jahre wird dem späteren Star-Soziologen Niklas Luhmann (1927-1998) klar, dass er sich beruflich verändern muss. 1953 hat er in Freiburg im Breisgau das Jurastudium mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen, danach als Regierungsassessor am Oberverwaltungsgericht Lüneburg gearbeitet. Seit 1956 ist er Justiziar in der Zentralabteilung des niedersächsischen Kultusministeriums in Hannover, zuständig unter anderem für die erneute Verhandlung abschlägig beschiedener Wiedergutmachungsfälle gegenüber Lehrenden, die während der NS-Zeit aus dem Schuldienst entlassen worden sind. „Eine Verwaltungstätigkeit, politisch und damit auch verwaltungsinternen höchst heikel, weil von der Vorgängerregierung blockierte Verfahren wiederaufgenommen wurden“, sagt Luhmann-Herausgeber Johannes F. K. Schmidt im Dlf. Er beschreibt, mit welcher Sensibilität Luhmann die Schriftsätze damals formulieren musste, und worin die besondere Zumutung lag.

Wer in kurzer, leicht lesbarer Weise ein tieferes Verständnis für Verwaltung und ihre spezifischen Herausforderungen bekommen möchte, ist mit dem gerade erschienenen Suhrkamp-Band gut ausgestattet. Die Abhandlung ist zudem in einer Sprache geschrieben, die sich in ihrer Schnörkellosigkeit erholsam abhebt von jenen aufmerksamkeitsheischenden Invektiven – Versagen erster Güte, Lockdown-Macher und so weiter – die den derzeitigen Diskurs an manchen Stellen überfluten. Und sie beweist Witz – nicht nur im eingangs zitierten Butterbrot-Absatz.

https://www.deutschlandfunk.de/buerokratie-braucht-langsamkeit-100.html