Karl Rühmann: Die Wahrheit, vielleicht

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 08.07.2022

Der Schweizer Autor Karl Rühmann erzählt in seinem neuen Roman von einem Verhörspezialisten, der auf der Suche nach der Wahrheit ist – in seinem eigenen Leben und in dem Leben der Anderen. Dabei erweist sich nicht nur die Sprache als Hürde.

Kurze, klare Sätze, die keinen Zweifel lassen. Karl Rühmann taucht von Beginn an ein in die Welt der analytischen Sprache, der gezirkelten Fragen und Antworten. Sein Protagonist Felipe ten Holt ist Verhörspezialist und arbeitet für einen europäischen Geheimdienst in der Terrorbekämpfung. Sein Ausbilder, der geheimnisvolle Feymann, gab seinen Schülern ein Handwerkszeug mit auf den Weg, das Felipe später auch auf der Suche nach der Wahrheit über sein eigenes Leben gebrauchen wird:

„Feymann hielt sich nicht mit langen Erklärungen auf. Er legte die Fälle aus, als wären sie Porzellantassen, umriss mit wenigen Worten den Sachverhalt, nahm die Brille ab und lehnte sich zurück. Nun war es an uns, in scheinbar perfekten Ordnungen, die er vor uns ausgebreitet hatte, nach Widersprüchen zu suchen, in harmonischen Tonfolgen nach Dissonanzen. Wir schauten oft in die falsche Richtung, übersahen die aufschlussreiche Peripherie zugunsten des wertlosen Kerns, verfingen uns in vermeintlichen Kausalketten, griffen dankbar nach jeder noch so oberflächlichen Plausibilität.“

Karl Rühmann befasst sich in seinem Roman mit einem durchaus interessanten Thema, nämlich der verzweifelten Suche nach der einen, eindeutigen Wahrheit, die hinter falscher Plausibilität versteckt sein kann.

https://www.deutschlandfunk.de/die-wahrheit-ist-ein-scheues-tier-100.html


Bibliographie
Tipp
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Die Wahrheit, vielleicht
Karl Rühmann
Die Wahrheit, vielleicht
Roman, rüffer&rub literatur
EAN: 978-3-907351-00-0
Felipe ten Holt ist Verhörspezialist bei einem Geheimdienst. Mühelos bewegt er sich zwischen Sprachgrenzen und erkennt Zusammenhänge, die anderen Menschen verborgen bleiben. In den Antworten der Befragten sucht er nach Übereinstimmungen und Auffälligkeiten und entwickelt die Gabe, im Dickicht zwischen Worten und Gesten, Täuschung und Enthüllung die Wahrheit auszumachen. Er, der aus ihm vorenthaltenen Gründen früh seinen Vater verliert und dessen Mutter zu schwach ist, um sich gegen den Stiefvater durchzusetzen, entwickelt eine geradezu obsessive Suche nach der Wahrheit. Dies prägt sein ganzes Leben: Er lernt den Unterschied zwischen Erkenntnis und Geständnis, zwischen Schuld und Unschuld kennen. Und Felipe gehört zu den Besten, sein Ausbildner wählt ihn bald einmal für die besonders heiklen Fälle aus. Doch in einem schier aussichtslosen Verhör unterläuft Felipe ein fataler Fehler, was den sensiblen jungen Mann dazu zwingt, sich eine neue Aufgabe zu suchen. Nach diesem Rückschlag nimmt sich Felipe vor, die Kommunikation zwischen fremden Menschen nur herzustellen, aber nicht zu lenken. Als Dolmetscher für Menschen, die aus verschiedensten Gründen auf Hilfe angewiesen sind, zieht er sich auf die Rolle des Vermittlers zurück und hofft, so die Kontrolle und Orientierung zu behalten, die er einst verloren hatte. Doch bald beginnt er zu ahnen, dass diese Erwartung eine Illusion ist. Einzig die 'Junge Frau', deren Porträt im Kunsthaus Zürich Felipe immer wieder aufsucht, scheint zu verstehen, was in ihm vorgeht. Und so ist es nur logisch, dass ihn sein Weg in der größten Not zu ihr führt.

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