Juli Zeh und Simon Urban: Zwischen Welten

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 25.01.2023

Die öffentliche Debatte ist vergiftet. Juli Zeh und Simon Urban haben die Sorge um die Gesprächskultur zum Anlass für einen klugen Briefroman genommen, der von gendergerechter Sprache bis zum Ukrainekrieg viele aktuelle Themen aufgreift.

Ein Roman, der aus nichts als E-Mails und WhatsApp-Wortwechseln besteht, klingt eher abschreckend. Schließlich leidet das Dauerrauschen von Social Media doch sowieso unter allzu viel kleinteiliger Dauererregtheit. Soll man sich das auch noch in Romanform antun, 440 Seiten lang?

Die Antwort lautet: Ja, unbedingt. Denn der Briefroman in Emails, den Juli Zeh und Simon Urban gemeinsam verfasst haben, ist nicht nur aufregend und informativ, sondern führt in die Abgründe einer überdrehten Öffentlichkeit, in der jede Nebensache zu eskalieren droht und ein Gespräch immer seltener gelingt.

„Zwischen Welten“ handelt von Annäherungen und vom Sich-Verpassen. Juli Zeh und Simon Urban gelingt es spielerisch leicht, das von Verlusten und Untergangsängsten bestimmte Zeitgefühl unserer klima- und kriegsversehrten Gegenwart sichtbar zu machen, indem sie es in den Zangengriff der Doppelperspektive von Stadt und Land, West und Ost, Mann und Frau, Beobachtung und Teilhabe nehmen. So ist ein brisantes, spannendes, kluges und ganz sicher bestsellertaugliches Stück Gegenwartsliteratur entstanden.

https://www.deutschlandfunk.de/im-zangengriff-der-gegenwart-100.html