Jens Eisel: Cooper

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 06.04.2022

Die Flugzeugentführung des US-amerikanischen Gentlemans D. B. Cooper im Jahr 1971 gehört zu den ikonographischen Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Jens Eisel aus Hamburg hat die hierzulande weitgehend unbekannte Geschichte in einen brillanten True-Crime-Roman verwandelt.

Als die Stewardess Kate mal wieder einen Zettel zusteckt bekommt, vermutet sie eine Telefonnummer oder ein kitschiges Gedicht – die übliche Anmache eines Geschäftsreisenden, die sie ignorieren will. Als ihr der Passagier aber mit aufdringlichen Gesten bedeutet, sie müsste sich sofort ansehen, was er geschrieben hat, faltet sie das Papier auseinander. Sie liest. Dann wird ihr schlagartig übel. Kate sieht in Richtung des Passagiers, der auf einen Koffer deutet.

„Obwohl sie die Sätze zweimal gelesen hatte, erinnerte sie sich nur an zwei Wörter: Entführung und Bombe.“

Jens Eisel hat dreieinhalb Jahre recherchiert, in den USA die wichtigsten Tatorte besucht und dann eine gewaltige Geschichte auf knapp 200 Druckseiten komprimiert. Seine „Cooper“-Fassung arbeitet mit minimalistischen Bildern, lässt sich nie vom Materialreichtum verführen, sondern wahrt die klare Kontur. Der Roman konzentriert sich auf den Abend vor der Entführung, auf die Tat selbst und den daran anschließenden Tag: knapp, schnörkellos, unaufgeregt.

Das grafische Buchcover, das Cooper im Anzug und mit wehender Krawatte am Fallschirm hängend zeigt, sowohl an den Vorspann der Retro-Serie „Mad Men“, als auch an die fürchterlichen Bilder der 9/11-Terroranschläge in New York. Doch auch von diesen markigen Bildern lässt sich der Roman an keiner Stelle irritieren. Hier machen einfach nur vier Menschen denkbar unaufgeregt einen verdammt guten Job: der titelgebende Cooper, die Stewardess, der Boeing-Pilot – und Jens Eisel, der mit seinem Roman zeigt, weshalb Klarheit schlechterdings die Höflichkeit eines Schriftstellers ist.

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