Benedikt Feiten: Leiden Centraal
Buchempfehlungen des Deutschlandfunks vom 08.02.2022
Die einen sichern Spuren, die anderen verwischen sie: In Benedikt Feitens neuem Roman ermittelt eine IT-Forensikerin gegen eine Leiharbeitsfirma, die Arbeitskräfte aus Osteuropa illegal nach Deutschland vermittelt.
Als IT-Forensikerin ist die Polizistin Valerie Stetter seit Längerem mit einem Fall beschäftigt, in dem es um Leiharbeitsfirmen geht. Diese bringen osteuropäische Arbeitskräfte nach Deutschland und lassen sie in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen darben. Valerie kümmert sich um die „blank offenliegenden Bytes“, entschlüsselt Festplatten und stellt gelöschte SMS wieder her, um so Einblicke zu gewinnen in das System aus Schleusern, verdeckten Auszahlungen und fingierten Dokumenten.
In Benedikt Feitens drittem Roman „Leiden Centraal“ werden neben Valeries Perspektive noch jene von Adrian de Jong und Cristina Mitu geschaltet. Er ist einer der Hintermänner der Leiharbeitsfirma, der darum bemüht ist, seine illegalen Aktivitäten zu vertuschen.
Sie wiederum hat sich bei Adrian und seinen Handlangern hochgearbeitet, nicht aus karrieristischen, sondern aus familiären Gründen: Cristinas Schwester Loredana wurde über das Schleuser-Netzwerk von Rumänien nach Deutschland gebracht und ist seither nicht mehr aufzufinden. Mal tritt Cristina als die zielstrebige Mitarbeiterin auf, die ihren geheimen Plan verfolgt, mal ist sie die verzweifelte Schwester, die SMS an eine längst abgeschaltete Nummer von Loredana schickt.
Dem Autor gelingt es, einen rasanten Roman über Menschenverachtung und asoziale Wirtschaftsmodelle zu schreiben, in dem die „blank offenliegenden Bytes“ eine der Hauptrollen spielen. Sie stellen einen magischen Raum dar, in dem sich die Figuren wie in einem grimmschen Märchenwald verirren, immerzu auf der Suche nach dem Wertvollen, nach Zugangsschlüsseln für Kryptowährungen, Spuren verschollener Schwestern oder Kindheitserinnerungen, die einem eine Welt vorgaukeln, die es so nie gegeben hat.
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