Lesung und mehr, von und mit Andreas Stichmann aus seinem Roman "Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk"

Andreas Stichmann, für "Jackie in Silber" und "Das große Leuchten" gefeiert, zählt zu den begabtesten literarischen Stimmen der Gegenwart. Sein Sinn für Komik, seine Sympathie für Verlierer und Verlorene sind unübertroffen, ebenso sein Sprachgefühl und seine Ausdruckskraft. Das zeigt sich einmal mehr in diesem hoch komischen und zutiefst ernsthaften Roman "Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk", der von den Rändern der Gesellschaft direkt ins Herz der Sache trifft.

Andreas Stichmann hat diesmal das miniatureske Gegenstück zu dieser fremden leuchtenden Riesenstadt gezeichnet. Kleiner als die Szenerie seines zweiten Romans könnte die Welt kaum sein. Der „Sonnenhof“ liegt irgendwo in Hamburg-Osdorf. Ursprünglich ein Projekt für eine andere Vorstellung von Zusammenleben, ist er heute eine ziemlich gewöhnliche Pflegeeinrichtung. Manchmal wirkt er aber auch wie eine „heruntergekommene Siedlung auf dem Mars“.
Die junge Bianca, genannt Bibi, hat diese Assoziationen. „Marsig und nice“ wirken am Anfang ihrer Sozialstundenzeit auch die Bewohner auf sie. Der alte Ludwig etwa, der sich am liebsten den weißen Bart krault und mit seiner Zunge immer „klickklickklick“ macht, wenn er aufgeregt ist. Wendy, die „Zwergen-Omi“, die gerne auf einem Fahrrad mit Stützrädern über das Gelände des Sonnenhofs düst. Und natürlich Ramafelene, dessen Mutter den Sonnenhof einst mit gegründet hat und der hier ein bisschen den Ton angibt. Wie bringt man erzählerisch Leben in diese verschnarchte Welt, wie sagt man mit dem Roman „Moinsen“ – um in der Sprache der Figuren zu bleiben?
Andreas Stichmann entspinnt eine kleine Love Story um Bibi und Ramafelene, der fast zwanzig Jahre älter ist als die junge Frau aus Bergedorf. Dass die Liebelei von Beginn an kaum eine Chance hat, sorgt für jene melancholischen Tupfer im Roman, die eine gute Gegenspur zu seinem ironischen Grundton bilden. Vor allem aber setzt Stichmann auf Wind von außen. Er lässt einen unglücklichen Unternehmerssohn im Sonnenhof auftauchen, David van Geelen, Focusing-Trainer und ehemaliger Krankenhausclown, der sich selbst mit Sprüchen anfeuert wie „Der Welthunger kann innerhalb eines Jahres zu 100 Prozent ausgemerzt werden“. David will einen „Kult“ begründen, eine Bewegung der Empathie und der sozialen Gerechtigkeit unter dem Namen Sydney Seapunk – „der ist mehr Idee, mehr Funke als Mensch“. Dieser Kult schließt mit ein, einen Mann ohne bürgerlichen Namen. Einen Mann mit einer Vision, der den Sonnenhof miteinschließt. Und die Entführung eines Millionenerben.

Der Roman ist mehr als nur ein kleiner Abgesang auf alte Weltverbesserungsprojekte und ob er zudem ein ironischer Jugendroman ist, darüber läßt sich trefflich streiten. 

Die Veranstaltung ist eine Kooperationsveranstaltung des Cafes Louis & Louise und des Bessunger Buchladens. Unterstützt wird die Veranstaltung von Leseland Hessen und den Sponsoren Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und hr2 Kultur.

calendar_clock Datum & Zeit
25.10.2017 20:00
-
22:00 Uhr
sell Eintrittspreis
Eintritt 5,- Euro
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Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk
Andreas Stichmann
Die Entführung des Optimisten Sydney Seapunk
Roman
EAN: 978-3-498-05850-0
Andreas Stichmann, für "Jackie in Silber" und "Das große Leuchten" gefeiert, zählt zu den begabtesten literarischen Stimmen der Gegenwart. Sein Sinn für Komik, seine Sympathie für Verlierer und Verlorene sind unübertroffen, ebenso sein Sprachgefühl und seine Ausdruckskraft. Das zeigt sich einmal mehr in diesem hoch komischen und zutiefst ernsthaften Roman, der von den Rändern der Gesellschaft direkt ins Herz der Sache trifft. Alles beginnt in Hamburg Osdorf. Der Sonnenhof - früher alternatives Wohnprojekt, heute eher betreutes Wohnen - hat schon bessere Zeiten gesehen. Findet Ramafelene, genannt Raffi, 35, der seit seiner Kindheit dort lebt. Von seiner Mitbewohnerin und Mutter kommt jedenfalls nicht mehr viel. Ihr scheint in den 80ern mit dem Mann auch die Menschenliebe verlorengegangen zu sein.Schlimm. Findet auch Bianca, 17, die auf dem Sonnenhof ihre Sozialstunden ableistet. Bianca, mit den blauen Haaren, in die Ramafelene sich verliebt. Was Küwi nicht gefällt, obwohl er gerade selbst einen neuen Freund gefunden hat: einen Mann ohne bürgerlichen Namen. Einen Mann mit einer Vision. Die den Sonnenhof miteinschließt. Und die Entführung eines Millionenerben.Schlimm? Man wird sehen. 'Hat jedenfalls erst mal nichts mit Gefährlichkeit zu tun', findet Küwi. 'Ist was Politisches mit Solidarität. Ist Inhalt von dem Lied Die Internationale, das man mag.' Der Sonnenhof hat schon bessere Zeiten gesehen, ja, aber warum sollten nicht die besten - und zwar für alle Menschen - noch kommen?

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