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ISBN/EAN: 978-3-89561-462-0
Einband: gebundenes Buch
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Übersetzer:
Patricia Klobusiczky
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
196 S.
Format (T/L/B):
2 x 21.1 x 13.6 cm

Hersteller:
Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH
info@schoeffling.de
Kaiserstraße 79
DE 60329 Frankfurt am Mai


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Unser Tipp für Sie

hr-iNFO Büchercheck vom 18.01.2018. Valérie Zenatti, deren Familie aus Algerien stammt, wurde 1970 in Nizza geboren. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Übersetzerin in Paris. Ihre Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt, zwei wurden verfilmt. Bisher schrieb Valérie Zenatti für Kinder und Jugendliche, ihr neuer Roman „Jacob, Jacob“ ist ihr erstes Buch für Erwachsene. hr-iNFO Büchercheckerin Sylvia Schwab hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
„Jacob, Jacob“ spielt im Jahr 1944, Jacob ist ein junger Mann, 19 Jahre alt. Ein algerischer Jude, Sohn einer armen Schusterfamilie. Ein sensibler und intelligenter Kerl, ganz anders als alle Männer um ihn herum. Und dieser Jacob wird von der französischen Kolonialmacht einberufen, um in den Krieg gegen die Deutschen zu ziehen. Nach brutalem Drill in der algerischen Wüste geht es per Schiff nach Frankreich, erst in die Provence, dann in die Ardennen. Abwechselnd erfahren wir von Jacobs grausamem Fronteinsatz, von seiner Freundschaft mit Kameraden aller Religionen, von seinem Tod. – Und auf der anderen Seite von seiner Familie zu Hause, die ihre eigenen Tragödien ertragen muss.

Wie ist es geschrieben?
Valérie Zenatti einen ganz eigenen Stil: ihre Sätze wandern oder mäandern über viele Zeilen und spiegeln die unterschiedlichsten Emotionen. Sie reißen uns z.B. in das intensive Begehren einer verliebten jungen Frau hinein. Oder ziehen uns in Jacobs sehnsüchtige Träume von zu Hause. Sie stürzen explosionsartig durch die eigentlich unbeschreiblichen Kriegsszenen oder sie beschwören atemlos die Panik der jungen Soldaten im Nahkampf. Und sie erzählen von der Schönheit der Stadt und der Landschaft, in der Jacobs Familie lebt.
„Ein namenloses, heftiges Sehnen hat ihn hierhergeführt, auf den Gipfel des schroffen Bergs, in den mit Vogelkot durchsetzten Staub, inmitten von Zedern und schwarzen Zypressen, an denen der Blick hängen bleibt, ein paar Sekunden festgehalten wird, bevor er frei ins sonnenbeschwerte Tal schweifen darf. Aus dieser Entfernung wirken die Wasserfälle reglos, Schaumschleier, die nur hingetupft wurden um die Rinnen entlang der Schluchten zur Geltung zu bringen.“

Wie gefällt es?
Obwohl es ein ernster Roman ist, bedrückt er nicht, weil er den Ton so leicht wechselt, so farbig erzählt und nie bitter oder pathetisch geschrieben ist. Immer wieder taucht ein Bild auf, das man als Zentrum der Geschichte bezeichnen könnte: eine Hänge-Brücke, die zwei Teile der algerischen Stadt Constantine über einen Abgrund hinweg miteinander verbindet. Diese Brücke gibt es wirklich, eine grandiose Konstruktion, hier spielen wichtige Szenen. Und diese Brücke verstehe ich auch als Symbol für diesen Roman: er verbindet Vergangenheit und Gegenwart, Algerien und Frankreich, Juden, Christen und Moslems.

Beschreibung

Der 19-jährige Jacob Melki, Sohn einer bitterarmen jüdischen Schusterfamilie aus dem algerischen Constantine, wird 1944 von der französischen Kolonialmacht einberufen, um in den Krieg gegen die Deutschen zu ziehen. Abwechselnd erzählt die Autorin von seinen Erlebnissen an der Front und von seiner Familie, die unterdessen zu Hause mit ihren eigenen Tragödien zu kämpfen hat.Valérie Zenattis Roman beleuchtet den Zweiten Weltkrieg aus einer ungewöhnlichen Warte - aus der Sicht der Kolonialisierten. Jacob, der nicht als französisch genug galt, um das Lycée zu besuchen, ist auf einmal französisch genug, um für die Kolonialmacht im Schützengraben zu stehen. Wie soll er sich zwischen den verschiedenen Kulturen entscheiden, die sein Leben bestimmen? Atmosphärisch, poetisch und mit großer Empathie erzählt Zenatti von den Ängsten und Hoffnungen des jungen Mannes, der eigentlich lieber Gedichte lesen als Menschen erschießen will.'Jacob, Jacob' ist nicht nur ein Kriegs- und Kolonialroman, sondern vor allem auch ein berührendes Familienporträt und Zeugnis einer vergessenen Kultur.

Über Valérie Zenatti

Valérie Zenatti, deren Familie aus Algerien stammt, wurde 1970 in Nizza geboren. Heute lebt sie als Schriftstellerin und Übersetzerin (u.a. von Aharon Appelfeld und Zeruya Shalev) in Paris. Ihre Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt, zwei wurden verfilmt. Für 'Jacob, Jacob' wurde sie mit dem Prix Méditerranée und dem Prix du Livre Inter des gleichnamigen französischen Radiosenders ausgezeichnet.Patricia Klobusiczky, geboren 1968, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und arbeitete lange als Lektorin. Seit 2006 ist sie Übersetzerin, u.a. von William Boyd, Marie Darrieussecq, der Biographie 'Helen Hessel. Die Frau, die Jules und Jim liebte', Stéphane Hessel, Jean Prévost, Henri-Pierre Roché und Louise de Vilmorin.