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Walking Artists
eBook - Über die Entdeckung des Gehens in den performativen Künsten, Theater
Beschreibung
... mit Ralph Fischer
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Zwei Gründe, warum die Welt mein Buch braucht:
Erstens: Im Zentrum meiner Untersuchung steht eine elementare menschliche Bewegungstechnik: Der menschlichen Gang. Und der geht uns alle an, denn alles würde besser gehen, wenn man mehr ginge, um es mit dem Dichter und Spaziergänger Johann Gottfried Seume zu sagen.
Der menschliche Gang ist, seitdem wir uns vermehrt mit motorisierten Fahrzeugen durch den Raum bewegen oder digitale Welten durchqueren, in einen neuen kulturellen Kontext gestellt worden. Aufgrund der Modifikationen der Raumwahrnehmung ist der Prototyp menschlicher Fortbewegung ein faszinierendes Thema kulturwissenschaftlicher Auseinandersetzung.
Zweitens: Mein Buch beschäftigt sich mit einem faszinierenden Spezifikum, dem bislang wenig Beachtung innerhalb der theater- und kulturwissenschaftlichen Debatten geschenkt wurde der Entdeckung des menschlichen Ganges in den performativen Künsten in den Sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. In einer Zeit, in der die Technik eine immer größere Rolle im alltäglichen Leben spielt, beginnen Protagonisten aus Theater, Postmodern Dance, Performance- und Conceptual Art mit Gangarten und Schritttechniken zu experimentieren; performative Räume werden entworfen, die nur dann als Kunstwerk erfahrbar sind, indem sie betreten und durchschritten werden.
Deshalb kann mein Buch auch als eine Untersuchung der jeweiligen Künstler, Autoren und Choreographen gelesen werden: Richard Long, Bruce Nauman, Samuel Beckett, Trisha Brown, Janet Cardiff.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Walking Art, Walking Performances dies sind Schlüsselbegriffe einer signifikanten Entwicklung in den performativen Künsten, die ich in meiner Untersuchung aufzeige. Bislang liegt noch keine kulturwissenschaftliche Arbeit vor, die das Gehen als künstlerische Praktik im Spannungsfeld zwischen Tanz, experimentellem Theater, Performance- und Conceptual Art untersucht und in einen weiteren kulturwissenschaftlichen Kontext stellt. In meiner Arbeit setze ich die künstlerischen Geh-Experimente in Referenz zum Diskurs der Beschleunigung, wie er in den Kulturwissenschaften intensiv diskutiert wird. Die Beschäftigung mit dem menschlichen Gang in den performativen Künsten wurde bislang entweder als singuläres, auf das Schaffen einzelner Protagonisten begrenztes Phänomen betrachtet oder nur als Diskurs innerhalb der jeweiligen Kunstsparten begriffen. Diese Lücke soll mit der vorliegenden Studie geschlossen werden.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Meine Studie betrachte ich als Beitrag zur Ästhetik des Performativen, wobei dem Verhältnis zwischen Bewegung und Raum eine Schlüsselposition zukommt. Raum begreife ich, entsprechend der aktuellen raumtheoretischen Debatten, als ein performatives Gefüge, das erst dann entsteht, wenn etwas darin geschieht, indem es betreten und gestaltet wird. Gehen als Kunstform bezieht sich auf mannigfaltige Räume, nämlich auf die explizit als Kunsträume ausgewiesenen Raumgefüge (Bühnen und Installationen), auf den öffentlichen Raum und auf die offene Landschaft, wie etwa Wüsten und Steppen. Diese vielseitigen künstlerischen Feldforschungen werden in meiner Studie auf Basis eines performativen Raumbegriffes betrachtet.
Da meine Untersuchung interdisziplinär ausgelegt ist und sich auf performative Prozesse im Spannungsfeld von Theater, Performance, Tanz und Konzeptkunst bezieht, wendet sie sich an Theater-, Kunst- und Tanzwissenschaft, Performance Studies, Theater- und Kunstpraxis, Raumtheorie und Kulturwissenschaft.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit dem Künstler Richard Long, der mit seiner Arbeit wesentlich zur Entwicklung jener Tendenz innerhalb der Künste beitrug, die wir heute Walking Art nennen: Die Fähigkeit aus Gehen Kunst zu machen. Natürlich würde ich das Buch mit ihm im Gehen diskutieren.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Große Kunst beginnt mit dem ersten Schritt.
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