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ISBN/EAN: 978-3-406-71179-4
Einband: gebundenes Buch
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Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
240 S.
Format (T/L/B):
2.5 x 20.8 x 13 cm

Hersteller:
Verlag C.H.Beck GmbH & Co. KG
produktsicherheit@beck.de
Wilhelmstraße 9
DE 80801 München


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Unser Tipp für Sie

hr-iNFO Büchercheck vom 11.01.2018. Wenn ein Schriftsteller immer wieder eine kleine Gemeinde zum Schauplatz seiner Werke macht und dieser Schriftsteller auch ein guter Autor ist, dann wird aus dem Ort ein Ort der Literatur. In ihm verdichtet sich die Wirklichkeit, und die Poesie veredelt sie. Ich schwärme, das geht im Fall Scheuers. In seinem Kall entsteht nicht nur Welt, in diesem Buch sogar ein Universum: aus Leben und Träumen, aus Geschichten. Der Urschlamm liegt sozusagen auf dem Boden eines erfundenen Stausees in Kall. hr-iNFO Bücherchecker Frank Statzner hat den Roman gelesen.

Worum geht es?
Zwei windige Investoren, ein unseriöser Bauunternehmer und ein überambitionierter Banker wollen ihren Ort aus dem Dämmerschlaf holen. Touristen sollen Geld in die Kassen spülen. Dafür soll der kleine alte Stausee vergrößert und allerlei touristisches Angebot geschaffen werden. Die Meisten im Ort haben Dollarzeichen in den Augen, verkaufen Grundstücke, geben Geld. Der Stausee wird abgelassen. Die Hinterlassenschaften vieler Jahrzehnte tauchen aus dem Schlamm auf. Relikte des Lebens, Stoff für Erinnerungen und Geschichten. Der Supermarkt ist der Mittelpunkt des Ortes. Hier trifft sich Scheuers Personal. Die Alten, die Jungen, die Mitarbeiter, die zugereisten Bauarbeiter. Scheuer erzählt die Geschichten dieser Leute. Zum Beispiel die des in Afghanistan schwer verletzte Bundeswehrsoldaten; die der jungen Frau, die zwar schreiben, aber nicht lesen kann; die des schwerkranken Elektrikers, der sich ein Raumschiff baut und damit ins Universums startet.
„Das Tal verengt sich kurz vor Kall, sodass sich die Gleise dicht neben Urft und Landstraße drängen. An die Sandsteinfelsen krallen sich Kiefern und Erlen, deren Zweige bis zur Flussmitte reichen. Aus den Bullaugen der Raumkapsel erblickte Lünebach Myriaden funkelnder Sterne, die über dem Stausee schwebten. Je höher er stieg, umso mehr erschienen ihm das Urftland und der See als Universum, das zu erkunden vielleicht ebenso reizvoll gewesen wäre wie Lichtjahre entfernte Welten. Durch eine Art Raum-Zeit-Krümmung konnte er den See zugleich in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft wahrnehmen. Seinen Berechnungen zufolge würde er am Ende seiner im Stausee landen.“

Wie ist es geschrieben?
Scheuer schreibt die Geschichten dieser Leute in kurzen Kapiteln hintereinander auf. Parallel dazu läuft die Geschichte des Stauseeprojekts. Die Lebenswelten der Leute stehen für sich, sind aber alle miteinander dicht verwoben. Einige sind sogar aus früheren Romanen Scheuers. So entsteht in dem kleinen Ort ein Kosmos. Scheuer erzählt leise, fast nüchtern. Und gleichzeitig doch voller Empathie und Poesie. Es ist eine zarte, feinfühlige Prosa. Die Romanfiguren wachsen einem beim Lesen ans Herz.

Wie gefällt es?
Ein kleiner Ort als Schauplatz der Welt, als Resonanzboden vielfältiger Schicksale, realistisch und poetisch erzählt. So entstehen Bücher, die ich nicht vergesse.

Beschreibung

Ein Stausee soll vergrößert und ein Ferienpark errichtet werden: Vor diesem Hintergrund wird ein fantastischer Reigen abenteuerlicher Geschichten erzählt, deren Kristallisationspunkt die Cafeteria eines Supermarktes in Kall, einem imaginären, aber doch realen Städtchen ist. Es geht um die erste Liebe zwischen Nina und Paul, den Liebesverrat von Sophia und Eugen und eine späte, glückverheißende Leidenschaft zwischen Herrn Vallentin und Isabell. Daneben begegnet den Lesern in dramatisch- poetischen Episoden die Wirkkraft menschlicher Schwächen und enttäuschter Hoffnungen, und wir erfahren, welche Folgen Betrug, Intrigen und das Streben nach Bereicherung freisetzen können. Die Grauköpfe, eine Gruppe alter Männer, versuchen von ihrem Stammplatz in der Cafeteria aus hinter all die Geheimnisse des Alltags im „Urftland“ zu kommen und die verborge- nen Mechanismen dieses Universums zu begreifen. Aber auch sie sind verstrickt und können den wahren Grund der Dinge nicht erkennen. Aber wir vielleicht? Raffiniert und spannend, suggestiv und poetisch erzählt Norbert Scheuer in seinem neuen Roman vom Glück des Alltags, unerfüllten und erfüllten Sehnsüchten, von einer Welt verschollener Dinge und ihrer großen und kleinen Geheimnisse.

Über Norbert Scheuer

Norbert Scheuer, geboren 1951, arbeitet als Systemprogram- mierer. Er erhielt zahlreiche Literaturpreise und veröffentlichte zuletzt die Romane „Peehs Liebe“ (2012) und „Die Sprache der Vögel“ (2015), der für den Preis der Leipziger Buchmesse nomi- niert war. Sein Roman „Überm Rauschen“ (2009) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und war 2010 „Buch für die Stadt“ in Köln und der Region. Er lebt in der Eifel.