Sascha Lobo – Die große Vertrauenskrise. Ein Bewältigungskompass

Buchempfehlung von SWR2 vom 8.12.2023

„Die große Vertrauenskrise" ist ausgebrochen, in der immer mehr Menschen nur noch populistischen Politikern und Verschwörungserzählern glauben wollen. Warum das so ist und was sich dagegen tun lässt, erklärt Sascha Lobo in einem neuen Buch.

Warum glauben immer mehr Menschen lieber an bizarre Verschwörungsmythen als an das, was in der Zeitung steht? Zum Beispiel daran, dass Olaf Scholz ein Echsenmensch sei oder die Erde eine Scheibe? Nach Sascha Lobo muss man sich den Absturz in den Kaninchenbau der Verschwörungserzählungen als einen Prozess vorstellen. Auf dessen Höhepunkt überkomme Betroffene eine regelrechte „Vertrauenspanik“. Nach einer Vorgeschichte sich mehrender Zweifel erscheine plötzlich gar nichts mehr als wahr.

Was Lobos Ursachenforschung angeht, so ist diese gleichermaßen erschöpfend wie überzeugend. Zeitlich führt seine Analyse zurück bis zur Jahrtausendwende, als der 11. September für viele zur „Einstiegsdroge“ in die Welt der Verschwörungsmythen wurde. Und sie endet bei den verheerenden Folgen der Sparideologie der Merkel-Ära, als die Befriedigung der Finanzmärkte wichtiger erschien als Investitionen in Bildung, Digitalisierung oder Infrastruktur. Was gerade viele junge Menschen das Vertrauen in die Politik verlieren ließ.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch: Nach diesem Motto zeigt der Autor im Schlussteil einige Auswege aus der Vertrauenskrise auf. Wenn das „alte Vertrauen“ in Institutionen oder Experten, die scheibchenweise ihr Herrschaftswissen teilen, heute, in Zeiten sozialer Medien, nicht mehr funktioniert, ist es eben an der Zeit für ein „neues Vertrauen“, so Lobo. Und dieses setze auf Transparenz, Vernetzung, Kollaboration und fortwährende Fehlerkorrektur.

https://www.swr.de/swr2/literatur/sascha-lobo-die-grosse-vertrauenskrise-ein-bewaeltigungskompass-swr2-lesenswert-kritik-2023-12-07-100.html


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