Mathias Énard: Der perfekte Schuss
Buchempfehlung von SWR2 vom 19.03.2023
Ein Scharfschütze – irgendwo in einem südlichen Land. Er eliminiert, wen auch immer er will. „Der perfekte Schuss“ ist der erst jetzt ins Deutsche übersetzte Debütroman von Mathias Énard, der 2015 für seinen Roman „Kompass“ den Prix Goncourt und 2017 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhielt. „Der perfekte Schuss“ ist drängend aktuelle Literatur über die Verrohung in Kriegszeiten.
Wenn eine Trigger-Warnung für sensible Leser je am Platz gewesen wäre, dann hier, zu Beginn des Romans „Der perfekte Schuss“. Nicht nur die detailliert geschilderten Grausamkeiten des Krieges sind abscheulich, der Ich-Erzähler selbst ist zum Fürchten.
„Von meinem Dach aus übersehe ich die Bürgersteige, spähe die Fenster aus, schaue den Leuten beim Leben zu. Mit einem Druck auf den Abzug bin ich bei ihnen.“
In den aktuellen Debatten um Waffenlieferungen und Kriegsbeteiligung bekennen sich sogar vormalige Kriegsdienstverweigerer entschlossen zur Wehrhaftigkeit, rühmen das soldatische Heldentum gegen Aggressoren und ertüchtigen sich zu Hobby-Strategen. Wie sehr Verrohung und Gewaltkult unvermeidliche Begleiterscheinungen des sich verselbständigenden Krieges sind, gerät da leicht aus dem Blick. Gut, dass uns dieser provozierende Roman von Mathias Énard daran erinnert.
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