Johanna Sebauer: Nincshof
Buchempfehlung von SWR2 vom 20.09.2023
In Nincshof liegen die Nerven blank. Die Einheimischen fühlen sich überrannt, von den modernen Zeiten, dem Tourismus, der Bevormundung aus Wien und Brüssel. Die Zugezogenen dagegen, können in der Provinzidylle so schnell nicht heimisch werden. Wie es dennoch zur Versöhnung kommt, davon erzählt Johanna Sebauer in ihrem Debütroman „Nincshof".
Nincshof ist ein sonderbares Dorf und überhaupt ein Grenzfall in mancherlei Hinsicht. Nicht nur, dass es in einem österreichischen Winkel liegt, wo das Burgenland und Ungarn hinter dem Neusiedler See aufeinandertreffen. Es ereignen sich dort auch allerlei grenzwertige Dinge, bei denen einige Bewohner über ihre ganz persönlichen Grenzen mehr erfahren, als sie gedacht hätten.
Johanna Sebauer hat für ihren Roman eine Sprache gefunden, die sofort überzeugt und gefangen nimmt. Darin mischen sich Legendentöne, Dialektanklänge, Humor und volksstückhafte Komik zu einem Erzählstil, der Realismus, phantastische Elemente und Gegenwartsthemen mit Leichtigkeit verbindet. Denn in dieser Hinsicht hat die Handlung wahrlich einiges zu bieten.
Johanna Sebauer misst das Feld aus zwischen Heimatroman und Heimatlosigkeitsroman, zwischen verklärter Vergangenheit und komplizierter Gegenwart, zwischen Selbstfindungskonflikten bei den einen und rebellischer Selbstbehauptung bei den anderen. Alles in allem ergibt das ein originelles kleines Welttheater mit historischer Tiefe und einer Vielfalt menschlicher Typen. Kurz gesagt: Dieser Ausflug in die hinterste burgenländische Provinz lohnt sich unbedingt.
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