Florian Dietmaier: Die Kompromisse

Buchempfehlung von SWR2 vom 7.4.2024

Der Ich-Erzähler in Florian Dietmaiers Debütroman „Die Kompromisse“ ist Jahrgang 1929, hat also sowohl den NS-Staat als auch den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Die erzählte Zeit wiederum umfasst die Jahre 1960 bis 2020. Peter, so sein Vorname, tritt in die Fußstapfen seines adeligen Großvaters und Vaters: Er wird österreichischer Diplomat. Eine seiner ersten Einsatzgebiete ist Nauru – dieser Inselstaat im Pazifischen Ozean ist mit seinen knapp 12 000 Einwohnern die kleinste Republik auf unserem Planeten.

Kleinstaaten sind an sich keine Seltenheit. Man denke etwa an die Loslösung der Slowakei von Tschechien oder den Zerfall Jugoslawiens in mehrere Staaten wie etwa Serbien, Kroatien und Slowenien. Der kleine Folgestaat Kosovo wurde bis heute von Großstaaten wie Russland, China und Spanien nicht anerkannt. Die Frage, die Florian Dietmaier in seinem Roman stellt, ist eine doppelte: Ist eine nationale Identität notwendig – besonders für Kleinstaaten?

Der Grazer Autor Florian Dietmaier ist klug genug, nicht eindeutig Stellung zu beziehen. Seine Hauptfigur vertritt sein Land mit diplomatischem Geschick. Österreich hat neun Millionen Einwohner. Ist man da im internationalen Vergleich eine Minderheit oder ist man es eben nicht, wenn man als gewiefter Player transnational agiert? Und wie steht es mit Peter selbst? Er ist zwar offiziell mit Jane verheiratet, hat nebenher auch homosexuelle Beziehungen. Nur 37 von 193 UNO-Mitgliedsstaaten haben bislang Ehen für gleichgeschlechtliche Paare rechtlich verankert.

Der Diplomat Peter denkt, dass der Mensch ohne „gewisse Grundwerte“, wie er es nennt, an Boden verliert. Am Ende seines Lebens muss er einsehen, dass Werte wie „Nation“ oder „Heimat“ beinahe wertlos geworden sind – zerrieben im Getriebe eines rasant rotierenden Internationalismus.

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