Bernadine Evaristo: Mr. Loverman

Buchempfehlung von SWR2 vom 19.02.2023

Gewitzt und humorvoll erzählt Bernadine Evaristo in ihrem neuen Roman vom Leben der karibischen Diaspora in England, vom Erwachsen- und Älterwerden, von inneren Konflikten, Familienstreitigkeiten und dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen.

„Seitdem sind die Wochenenden wieder so, wie’s sein soll, ruhig und behaglich […]. Daran bin ich gewöhnt. Das ist, was ich kenn. Damit fühl ich mich sicher. Und doch soll ich’s verlassen? Ja, ich werd mutig sein und es tun, oder nicht?“

Um diese Frage dreht sich die Geschichte von Barry, der seine Frau für seine große Liebe verlassen will. Was nach einer schon oft gehörten Lovestory klingt, wird bei Bernadine Evaristo zu einem ungewöhnlichen Trip durch die moderne Gesellschaft – nicht zuletzt deshalb, weil es sich bei der großen Liebe von Barry um dessen Jugendfreund Morris handelt.

Die Geschichte von Barrys geplantem Coming-Out bildet den Rahmen, in dem die unterschiedlichsten Biografien versammelt sind: Wir lernen seine Töchter Donna und Maxine kennen, deren feministische Grundhaltung Barry manchmal ordentlich auf die Nerven geht. Und Enkel Daniel, der seinem Granny gerne das Internet und andere neue Trends erklären würde. Außerdem ist da Ehefrau Carmel, die mit sich selbst hadert und versucht, all den gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden.

Der Roman macht Mut und greift gesellschaftliche Missstände ebenso auf wie persönliche Sorgen und Nöte. Immer wieder gibt es kleine Überraschungen und am Ende steht ein vielleicht etwas zu versöhnlicher Schluss, den man aber durchaus verzeihen kann.

https://www.swr.de/swr2/literatur/bernadine-evaristo-mr-loverman-100.html


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