Andreas Schwab: Freiheit, Rausch und schwarze Katzen Eine Geschichte der Boheme
Buchempfehlung von SWR2 vom 14.3.2024
Im Pariser Kabarett „Chat Noir“, oder im Berliner „Zum Schwarzen Ferkel“, wo sich Edvard Munch und August Strindberg in absinthgetränkter Atmosphäre die Nächte um die Ohren schlugen. Der unorthodoxe, freizügige Lebensstil dieser Künstlerinnen und Künstler erregte den Argwohn der bürgerlichen Schichten, auf deren Werte und Moralvorstellungen sie pfiffen.
Aber auch Karl Marx, der kärglich wie ein echter Bohemien lebte, hielt wenig von ihnen. Als „schnapslustiges Lumpenprolateriat“ bezeichnete er die Bohème, als „Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen“, der sich im schlimmsten Fall mit reaktionären Kreisen verbrüdern würde.
Ihre Blütezeit erlebte die Bohème um die Jahrhundertwende, am Fin de siècle, das sie kulturell entscheidend mitprägte. Genau diese Periode nimmt der Schweizer Historiker Andreas Schwab in seinem Buch „Freiheit, Rausch und schwarze Katzen“ in den Blick.
Schwab begreift die Bohème als antibürgerliche, „neoromantische Gegenbewegung zum unerbittlichen Takt der geschäftigen Moderne“. Als eine Art Widerstandsbewegung gegen alles „Gleichmacherische“ und Vereinheitlichende, worunter für viele auch der Sozialismus fiel.
„Freiheit, Rausch und schwarze Katzen“ ist ein leichtfüßiges und lebendiges Porträt der europäischen Bohèmeszene am Ende des 19. Jahrhunderts. Ein farbenfrohes „Flanierbuch“, das plastisch eine Epoche heraufbeschwört, ohne ein einziges Klischee zu bedienen.
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