Die Welt im Rücken, Thomas Melle

«Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht. Sie können sich Ihrer selbst nicht mehr sicher sein. Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt; eine Manie aber ist eine ganze Tour durch diesen Abgrund, und was Sie jahrelang von sich wussten, wird innerhalb kürzester Zeit ungültig. Sie fangen nicht bei null an, nein, Sie rutschen ins Minus, und nichts mehr ist mit Ihnen auf verlässliche Weise verbunden.»

Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an der manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Nun erzählt er davon, erzählt von persönlichen Dramen und langsamer Besserung – und gibt einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten so vorgeht.

Da ist ein wahrer, ein unterhaltsamer Plauderer, dem man gespannt zuhört, wie er über seine verlorene(n) Bibliothek(en) schwadroniert, leise, humorvoll, unaufdringlich, – und im nächsten Kapitel gleich zu Beginn feststellt, dass es ihm gut ging, als er Sex mit Madonna hatte. Die hatte schließlich immer über ihn gesungen, wie auch Björk.

Das ist Unterhaltung vom Feinsten: Schräg, eigenwillig, verblüffend!

Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmanns Roman «Huren für Gloria». Sein Debütroman «Sickster» (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman «3000 Euro», der auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand. 2015 erhielt Thomas Melle, der in Berlin lebt, den Kunstpreis Berlin.

Melle, Thomas
Rowohlt Berlin Verlag
ISBN/EAN: 9783871341700
19,95 € (inkl. MwSt.)
Kategorie:
Belletristik