Thomas Melle: Das leichte Leben
Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 22.9.2022
Viel Witz, aber keine Komödie. Viel Untergang, aber keine Tragödie. In Thomas Melles düsterem, nihilistischem Roman „Das leichte Leben“ dreht sich alles um das Begehren in einer langjährigen Ehe.
Nichts ist leicht in dieser Geschichte, schon gar nicht das Leben. Die besseren Zeiten sind längst vorbei, und auch der Sex, um den sich alles dreht, bietet keine Erlösung.
„Er verzog das Gesicht, es kamen ihm Bilder von besseren Zeiten, als sie das Paar der Stunde der Stadt, fast des Landes gewesen waren, unser leichtes Leben, so hatten sie es genannt, so hatten sie es auch geplant, nie sollte es schwer und spießig werden, nie, und was war jetzt übrig davon außer bleierner Nacht und sinnloser Entleerung?“
Schon zu Beginn dieses durch und durch düsteren Romans bestehen keine Zweifel an der Ausweglosigkeit des Daseins. Am Ende treibt Melle eine seiner Figuren in einen Suizid, der öffentlich, das heißt im Internet, zelebriert wird. Zuvor aber schreibt der Selbstmörder noch einen Brief, in dem er erklärt, dass es keine Erlösung und auch keinen Gott gibt, vor dem man sich zu rechtfertigen habe. Damit spricht er aus, was Thomas Melle in jeder Zeile spürbar werden lässt. Dieses nihilistische Spektakel hat durchaus sprachliche Kraft und gelegentlich auch Witz. Aber es ist doch ein bisschen zu simpel, Figuren, die von vorn herein verworfen sind, untergehen zu lassen. Es ist nicht schade um sie und diese Welt, in der es noch nicht einmal ein Fünkchen echter Liebe oder überhaupt etwas Echtes, Wahres, Dringliches gibt.
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