Shumona Sinha: Das russische Testament
Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 16.9.2021
Seit Shumona Sinha mit ihrem Roman „Erschlagt die Armen!“ über das Asylsystem Furore gemacht hat, ist sie mit Preisen überhäuft worden. Jetzt ist ein vierter Roman der indischen Autorin ins Deutsche übersetzt worden. Darin sucht die Erzählerin nach Spuren eines Moskauer Verlegers.
Es war die Übersetzerin Lena Müller, die Shumona Sinha auf Empfehlung einer Buchhändlerin in Paris für den deutschen Markt entdeckte. An dem schmalen Roman „Erschlagt die Armen!“ reizte sie nicht nur die provokante Aussage, sondern auch die literarische Qualität:
„Als ich ihn das erste Mal las, war ich von der Kraft dieser poetischen, ausdrucksstarken Sprache fasziniert. Es war dann vor allem die Vielzahl an Bildern, deren Übersetzung eine Herausforderung für mich war. Sprachliche Bilder sind ja auch immer emotional besetzt und diese Emotionen möchte man übertragen, ohne ins Kitschige zu fallen.“
Die späteren Romane „Kalkutta“ und „Staatenlos“ sind ebenso kurz und ebenso bilderreich. Auch in diesen beiden Büchern sind die Erzählerinnen aus der westbengalischen Hauptstadt nach Paris gegangen, wobei im letzteren das Berufs- und Liebesleben der Auswanderin mit dem grausamen Schicksal einer indischen Bäuerin kontrastiert wird.
Das neue Buch „Das russische Testament“ führt einmal mehr nach Kalkutta, wo das Mädchen Tania in den Achtzigerjahren als Tochter eines Buchhändlers aufwächst. Tania verschlingt Bücher, vor allem russische Literatur, die im kommunistisch regierten Westbengalen omnipräsent ist. Die Verlagswerbung in den alten Bänden weckt in ihr den Wunsch, die Verleger kennenzulernen. Als junge Frau beschließt sie, Russisch zu lernen.
https://www.deutschlandfunk.de/shumona-sinha-das-russische-testament-von-kalkutta-nach.700.de.html?dram:article_id=503043