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Nicole Krauss: Ein Mann sein

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 11.05.2022

Die New Yorker Schriftstellerin Nicole Krauss legt mit „Ein Mann sein“ ihren ersten Band mit Erzählungen vor – reflektierte Prosa, die existentielle Themen und Fragen der Geschlechtsidentität mit interessanten Figuren verbindet.

„Ein Mann sein“ ist ein aufmerksamkeitsheischender Titel, zumindest wenn es sich um das Buch einer Autorin handelt. Auch wenn Nicole Krauss in den Geschichten alles Plakative, Aufdringliche vermeidet und von ihren Figuren keine Gender-Debatten geführt werden – es geht hier immer auch um das aktuelle Thema der Geschlechtsidentitäten.

Die erste Erzählung „Die Schweiz“ handelt von der irritierenden Affäre einer iranischen Internatsschülerin mit einem holländischen Geschäftsmann, der bedrohlich dominant ist. Es geht um die heikle Verbindung von Macht und Sex-Appeal: „Einmal, als ich vor dem Schaufenster eines Pralinenladens stand, trat ein Europäer in einem schönen Anzug hinter mich. Er beugte sich so vor, dass sein Gesicht mein Haar berührte, und flüsterte:‚ Ich könnte dich mit einer Hand zerbrechen.‘ Dann ging er in aller Ruhe weiter, als wäre er ein Boot, das über stilles Wasser segelt.“

Der Erzählton ist reflektiert, von einer vornehmen Kühle, aber ohne gewollte Coolness; er liefert eher präzise Details als Stimmungswerte. Konventionelle Raffinesse kann man diesen gut gemachten Geschichten bescheinigen.

https://www.deutschlandfunk.de/monogamie-ist-ein-gestrandeter-wal-100.html

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Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783498002381
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