Martin Walser: Das Traumbuch

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 23.03.2022

Am 24. März feiert der Schriftsteller Martin Walser seinen 95. Geburtstag. Pünktlich zu diesem Anlass ist sein neues Werk „Das Traumbuch“ erschienen, in dem die Bodenseelandschaft als Erinnerungswelt aufscheint.

Zwei literarische Formen hat Martin Walser perfektioniert: Das ausschweifende, rhetorisch brillante und einfallsreiche Parlando seiner Romane und: die knappe, aphoristische Sentenz in den Bänden um die autobiografische „Messmer“- Figur. Die Bücher, die Walser in den vergangenen Jahren veröffentlicht hat, sind in ihrer Form zunehmend fragmentarisch geworden, doch verfügen sie in ihren besten Augenblicken noch immer über verblüffende Originalität, diagnostische Schärfe und sogar über Humor.

Auch im hohen Alter funkt Martin Walser von seinem idyllischen Bodenseegrundstück aus noch starke Lebenszeichen in die Welt. Dass sich sein Schreiben überwiegend auf Selbstbeobachtung und Selbstreflexion beschränkt, kann man ihm nicht übelnehmen. Nun also Träume. Walser, das zeigen die Werke seiner Spätphase, wie zuletzt der Gedichtband „Sprachlaub“, hat mit dem Leben noch nicht abgeschlossen, ist aber bereit, den Tod anzunehmen. Der Traum erscheint hier nun als eine Transitzone des Bewusstseins, in der alles erlaubt und möglich ist:

„Mühelos führt der Traum ganz verschiedene Räume durcheinander, ohne dass sie einander verletzen oder auch nur stören.“

„Das Traumbuch“ ist nicht nur ein ausgesprochen schönes, sondern auch ein in seinen Brückenschlägen zwischen unterschiedlichen Bewusstseins- und Zeitebenen immer wieder anrührendes Alterswerk.

https://www.deutschlandfunk.de/martin-walser-geburtstag-traumbuch-100.html


Bibliographie