Jakob Augstein: Strömung
Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 16.01.2022
Als Kolumnist und Journalist hat Jakob Augstein sich mit seiner rhetorischen Gewandtheit einen Namen gemacht. Nun hat der Sohn des „Spiegel“-Gründers seinen Debütroman geschrieben. „Strömung“ ist, nicht nur sprachlich, ein erstaunlich unoriginelles, nah am Klischee wandelndes Buch.
Franz Xaver Misslinger ist ein Erfolgsmensch. Was ihm in seinen Augen dabei im Wege steht, ist sein Name, weswegen er jede seiner Reden mit dem Satz einleitet, das Scheitern höre bei ihm mit dem Namen auf. Misslinger ist ein mitreißender Redner; unter anderem diese Fähigkeit hat ihn nach oben getragen. Vom schleswig-holsteinischen Land stammend, trat er als Jugendlicher in jene Partei ein, die sich die Freiheit als Leitprinzip auf die Fahnen geschrieben hat. Der omnipotente Parteivorsitzende und ehemalige Vizekanzler Walter Schergen gehörte früh zu Misslingers Förderern. Nun ist Schergen in die Jahre gekommen, und Misslinger formuliert gegenüber der grauen Eminenz unmissverständlich seine Ansprüc
„Ich bin im Bundestag. Ich war Landesvorsitzender. Ich bin Mitglied im Bundesvorstand. Ich bin Generalsekretär. Wir stehen jetzt so gut da wie seit fünf Jahren nicht. Das ist vor allem mein Werk. Ich will den Vorsitz.“
„Strömung“ ist kein Schlüsselroman. Zwar hat man bei Augsteins Protagonisten immer wieder Bilder von Christian Lindner vor Augen. Doch die äußeren Lebensdaten – Biografie, Geburtsjahr, Herkunft – unterscheiden sich bei allen Figuren von möglichen realen Vorbildern.
https://www.deutschlandfunk.de/die-freiheit-als-hohles-versprechen-100.html