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Eckhart Nickel: Spitzweg“

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 04.05.2022

Carl Spitzweg gehört zu den beliebtesten Malern der Deutschen. Der heiter-kauzige Sonderling porträtierte das biedermeierliche Kleinbürgertum wie kein Zweiter. Eckhart Nickel nimmt die kleinformatigen Gemälde als Vorbild für seinen neuen Roman – aber anders, als vorderhand vermutet.

Dieser „Spitzweg“ sichert Eckhart Nickels herausgehobenen Platz in der Gemäldegalerie unserer Gegenwartsliteratur. Das gelingt mit einem Vexierbild – denn zwei Gedanken drängen sich geradezu auf. Der erste gleich zu Beginn, wenn man sich inmitten eines Zeichengewitters aus philosophischen, kunsthistorischen, literarischen und popkulturellen Referenzen wähnt – und wünscht, alle Bücher dieser Welt gelesen, alle Filme und Bilder gesehen, alle Kompositionen gehört zu haben, um jeder intertextuellen Spur folgen zu können.

Der andere Gedanke erscheint am Ende, wenn man das Buch zugeklappt hat. Erst einmal sind dieser Geschichte drei Zitate vorangestellt: von Arno Schmidt, der britischen Popband Prefab Sprout und zuletzt von Carl Spitzweg selbst: „Jede Linie mit Verstand, alles durchdacht, das Uninteressante interessant.“

„Gemälde an sich, wozu sind sie gut? Bevor ich eine Landschaft an die Wand hänge, blicke ich doch lieber durch ein Fenster auf sie hinaus. Und wenn mir danach sein sollte, einen Menschen zu sehen, bringe ich genau dort einen Spiegel an. Kunst versucht oft, beides zu sein, Fenster wie Spiegel, und kann doch weder das eine noch das andere ersetzen. Gerade, wenn sie versucht, das Leben wirklichkeitsgetreu abzubilden, zeigt sich das Ausmaß ihres Scheiterns besonders deutlich.“

https://www.deutschlandfunk.de/eckhart-nickel-spitzweg-buchkritik-rezens...

Roman
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783492071437
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