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Bernd Wagner: Verlassene Werke

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 17.04.2022

In der DDR galt Bernd Wagner als vielversprechender junger Autor, kollidierte aber mit Stasi-Chef Erich Mielke. Er ging in den Westen, ohne sein Misstrauen gegen staatliche Autorität abzulegen. Die intellektuelle Autobiographie „Verlassene Werke“ zeigt, wie Wagner zu dem wurde, der er heute ist.

Was sind “Verlassene Werke“? Bernd Wagner versteht darunter eine intime Autobiographie als Schriftsteller. Nicht im Sinne der entblößenden Autofiktion eines Karl Ove Knausgård. Eher geht es um ein stummes Selbstgespräch. Über fast ein Viertel Jahrhundert notiert Wagner in seine sogenannten “Sudelbücher“ Gedanken, Träume, Beobachtungen, literarische Einfälle und Aphorismen, erwähnt dagegen aber Weltgeschehen und Alltag nur am Rande. Als vielversprechender Jungautor zieht der gelernte Maurer und spätere Lehrer für Deutsch und Kunsterziehung 1976 aus der Provinz nach Ostberlin um. Dank seiner Mentorin Sarah Kirsch erhält Wagner die höheren Weihen der offiziellen DDR-Kulturszene, wird in den Schriftstellerverband aufgenommen und beginnt die Arbeit an seinem Gedankenarchiv.

1991 liefert er im Band „Die Wut im Koffer“ eine geradezu prophetische, zwischen Essay, Fiktion und Groteske changierende Analyse der Schwierigkeiten im Einigungsprozess. „Paradies“, Wagners 1997 erschienener erster großer Roman, gilt der Literaturwissenschaft heute zu Recht als einer der wichtigsten Wenderomane überhaupt. In den „Verlassenen Werken“ zeichnet sich ab, wie ein Autor seine kritische Grundhaltung gegenüber jedem Konformismus in Öffentlichkeit und Literaturbetrieb entwickelt und stets aufrecht, manchmal bis über die Grenze der seelischen Unversehrtheit hinaus für seine künstlerische Autonomie eintritt. 

https://www.deutschlandfunk.de/im-spiegel-der-strasse-des-lebens-100.html

Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783867302234
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