Alina Bronsky: Barbara stirbt nicht

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 23.9.2021

Nachdem er seine Frau, offenbar halbseitig gelähmt, im Badezimmer findet, entwickelt ein Durchschnittsrentner ungeahnte Fähigkeiten in Sachen Haushaltsführung und Empathie. Alina Bronskys „Barbara stirbt nicht“ ist ein kompromisslos auf Rührung zielender Unterhaltungsroman.

Mein Gott, Walter: Alina Bronsky hat den pensionierten Elektrofachverkäufer Walter Schmidt, ihren Protagonisten, mit allen Attributen des deutschen Ruhestandsspießers ausgestattet. Herr Schmidt, seit 52 Jahren mit Gattin Barbara verheiratet, ist ein etwas zwanghafter, Filzpantoffel tragender Durchschnittslangweiler. Ganz nett, aber auch ein bisschen verschroben – und nach den Maßstäben politischer Korrektheit auch ein durchaus problematischer Charakter, ist er doch seiner Gattin bei der Hausarbeit ein Leben lang nicht ein einziges Mal zur Hand gegangen. Infolgedessen ist Herr Schmidt auch mit Ende siebzig weder in der Lage, eine Tütensuppe zuzubereiten, noch vermag er Kaffee zu kochen oder einen Staubsauger zu bedienen. Da trifft es den Rentner natürlich hart, dass er seine Frau eines Morgens, offenbar halbseitig gelähmt, auf dem Badezimmerfußboden findet:

Alina Bronskys charmanter Unterhaltungsroman wird sein Publikum finden, gerade, weil er seinen Leserinnen und Lesern so unglaublich wenig abverlangt. Gute-Laune-Literatur mit humanistischem Anspruch. Wobei es durchaus ein gewisses Vergnügen bereitet, Herrn Schmidt bei seiner allmählichen Menschwerdung zuzusehen.

https://www.deutschlandfunk.de/alina-bronsky-barbara-stirbt-nicht-die-menschwerdung-eines.700.de.html?dram:article_id=503352


Bibliographie