Abdulrazak Gurnah: Das verlorene Paradies
Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 12.12.2021
Der beeindruckende Roman „Das verlorene Paradies“ von Literatur-Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah ist endlich wieder auf Deutsch erhältlich. Unterhaltsamer und aufrichtiger kann Humanismus kaum dargestellt werden.
Bekanntlich ist nicht alles paradiesisch, was vorgibt, ein Paradies zu sein – was in Deutschland bislang niemanden gehindert hat, ein weiteres Schnitzel-, Bade-, oder Bastelparadies zu eröffnen, das uns ablenken will vom göttlichen Los, dass wir unser Brot essen müssen im Schweiße des eigenen Angesichts.
Der 1948 im damaligen Sultanat Sansibar – dem heutigen Tansania – geborene Abdulrazak Gurnah spielt gleich im ersten Satz seines beeindruckenden Romans „Das verlorene Paradies“ mit der biblischen Schöpfungsgeschichte, wenn er schreibt: „The boy first“ – auf Deutsch „Zuerst der Junge“ – denn so beginnt auch das 1. Buch Mose, Kapitel 2, wenn „Gott, der Herr“ aus einem Erdklumpen zunächst Adam schafft:
„Erst der Junge. Sein Name war Yusuf, und in seinem zwölften Jahr verließ er ganz überraschend sein Zuhause. Er erinnerte sich, es war die Zeit der Dürre, in der ein Tag war wie der andere. Unvermutete Blumen blühten auf und welkten. Seltsame Insekten flüchteten aus ihrem Versteck unter Felsbrocken und wanden und krümmten sich in dem glühend heißen Licht, bis sie starben. Die Sonne ließ Bäume in der Ferne zittern und die Häuser leicht schwanken und nach Atem ringen.“
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