George Orwell: Tage in Burma

Buchempfehlung des Deutschlandfunks vom 19.5.2021

George Orwells Parabel vom totalitären Staat „1984“ ist berühmt. Da er darin ein leicht durchschaubares System beschreibt, ist der Roman literarisch anspruchslos. Ganz anders Orwells erster Roman aus Englands kolonialer Herrschaft „Tage in Burma“: ein Juwel der englischen Erzählprosa.

Das zweistöckige Holzhaus in der burmesischen Stadt Katha, in dem vor knapp einhundert Jahren der Engländer Eric Arthur Blair wohnte, steht zwar immer noch, aber es sieht so aus, als würde es demnächst in sich zusammenfallen. Blair trat als Neunzehnjähriger in den Polizeidienst der britischen Kronkolonie Burma ein. Nach fünfjähriger Dienstzeit kehrte er nach England zurück und entschloss sich, nicht nur seinen Beruf zu wechseln, sondern auch seinen Namen. So wurde 1927 aus dem Polizisten Eric Arthur Blair der später weltberühmte Schriftsteller George Orwell.

„Flory war ein Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, mittelgroß, von guter Statur. Er hatte pechschwarzes, borstiges Haar mit tiefem Ansatz, trug einen kurzgeschnittenen Schnurrbart, und seine Haut, von Natur aus fahl, war dunkel von der Sonne. (...) Das erste, was einem an Flory auffiel, war ein hässliches Muttermal, das sich in einem gezackten Halbmond die linke Wange hinunterzog, vom Auge bis zum Mundwinkel.“ Nicht nur wegen des Muttermals ist Flory ein Außenseiter. Es sind vor allem seine gesellschaftspolitischen Ansichten, die bei den in Kyauktada lebenden britischen Geschäftsleuten auf Ablehnung stoßen. Sie treffen sich im sogenannten Europäischen Club, in dem sie sich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit reichlich Gin und Whisky versorgen, Zeitung lesen und sich vor allem über die Minderwertigkeit der einheimischen Bevölkerung auslassen. Jeden, der nicht weißer Hautfarbe ist, nennen sie „Nigger“, junge Frauen behandeln sie durchweg wie Prostituierte und die Bediensteten und Arbeiter wie ihre Sklaven. Einer der Engländer, Ellis, der Polizeichef von Kyauktada, weiß auch, wie man mit diesen „Niggern“ umgehen sollte.

Orwell schildert den Rassismus und die brutale Arroganz der Nutznießer des britischen Kolonialismus mit solcher Direktheit, dass sein Verleger den Roman zunächst nicht veröffentlichen wollte.

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Orwell, George
Dörlemann Verlag
ISBN/EAN: 9783038200802
30,00 € (inkl. MwSt.)